Am Mittwoch,
dem 02. Mai 2012 holten wir die Fahrzeuge im Hafen ab. Sie waren bereits am
Montagabend angekommen, da aber Dienstag Feiertag war, konnten wir erst jetzt
die Formalitäten erledigen. In Ägypten benötigt man neben den üblichen
Carnet-Eintragungen auch eine eigene Zulassung mit ägyptischen Kennzeichen und
eine eigene Versicherung, das alles für 150 US $. Ohne einen Agenten, der
wieder jemanden hier kennt und einen Schwager dort hat, hätten wir diese
Formalitäten nie abgewickelt bekommen. Aber auch so dauerte es 5 Stunden, bis
wir vom Hof des Zolls fahren konnten. Kurt und Susana wollten noch Luxor sehen
und durch die weiße Wüste fahren. Mit Ian und Loren, zwei Engländern in ihrem
Landrover zogen sie noch am selben Tag los. Anna und ich hatten einen Flug für
Samstag, den 05. Mai 2012 gebucht. Wir blieben in Aswan, um noch eine
beglaubigte Vollmacht zu besorgen, damit Kurt später unser Fahrzeug in
Alexandria durch den Zoll bekommt.
Nachfolgend
einige Hieroglyphen, die wir inzwischen kennen. „Bir“ steht für Haus, „Ra“ ist
der Sonnengott, das Zeichen bedeutet gleichzeitig Sonne, und „Mi“ sind die
Sonnenstrahlen. So leitet sich das Wort Pyramide ab: Das Haus, auf das die
Sonne scheint – Bir-ra-mi (Bitte einmal laut lesen!).
2.665 v.
Chr. erbaute der Architekt Imhotep die erste Stufenpyramide der Welt für seinen
Pharao Djoser. Dieses Grabmal ist 62 m hoch und hat einen Grundriss von 118 m x
140 m. Sie gehört zu einer Begräbnisstätte unweit von Kairo, die Saqqara heißt,
und älteste antike Sehenswürdigkeit ist, die wir je besucht haben. So sehr uns
dies begeistert hat, so sehr waren wir auch geschockt, wie wenig man sich um
diese kostbaren Schätze seitens der ägyptischen Behörden kümmert. Überall liegt
Dreck herum, die Touristen ritzen ungeniert ihre Namen über die alten Reliefs
und die „Wächter“ erzählen jede den Besuchern jede Menge Unfug und verlangen
dann Bakschisch dafür. Uns drängte sich ein solcher Wächter auf und wollte uns
weiß machen, dass eine der 5.700 Jahre alten Hieroglyphen das islamische Zeichen
für Sonne sei
Man kann nur
ahnen, wie viele Menschen vor der ägyptischen Revolution jährlich die großen
Pyramiden von Gisa besucht haben. Mehr als 100 Mio. € Eintrittsgelder hat der
Staat damit jährlich verdient. Zum Schutz oder gar zur Erhaltung dieses letzten
noch existierenden Weltwunders ist davon jedenfalls nicht viel investiert
worden. Hier die Sphinx und dahinter die Chefren-Pyramide (2.540 v. Chr. /
136 m hoch).
Im 25ten
Jahrhundert vor Christus hat man menschliche Skulpturen noch aus Holz
angefertigt. Durch das trockenen Klima und dadurch, dass die Kulturschätze
Jahrtausende im sand begraben waren, kann man heute solche ausdrucksstarken
Gesichter bewundern. Es handelt sich hier um Shepsesre, den Justizminister und Berater des Pharaos um 2.550 v. Chr.
Um die
Pyramiden überhaupt noch in unseren engen Zeitplan hinein zu bekommen, haben
wir uns für eine Nacht im berühmten Mena House Oberoi einquartiert. Wir bekamen
sogar die Om Kolthoom Suite als kostenloses Upgrade und konnten so quasi vom Bett aus
die größte Cheops-Pyramide bewundern, die mit 147 m Höhe größte der Welt (2.575
v. Chr.).
Wenn man
diese unglaublichen antiken Schätze bewundert hat und versucht hat, sich in die
über Jahrtausende ausbalancierte Mythologie und Kultur hineinzuarbeiten, die
man dann unweigerlich als die Mutterkultur für ganz Europa bzw. die ganze
westliche Welt entdeckt, dann stellt man sich irgendwann die Frage, was hier
vor Ort von alledem übrig geblieben ist. Was hat
diese Vergangenheit bewirkt, was unterscheidet heute das Leben in Ägypten von
dem in anderen Ländern dieser Hemisphäre? Die bittere Antwort auf diese Frage
ist: Eigentlich nichts!
Kultur
manifestiert sich in Schrift und Sprache: Die ägyptische Sprache lässt sich
über die Jahrtausende mit all ihren Abwandlungen und Dialekten verfolgen. Mit
der Christianisierung Ägyptens ging sie ins Koptische über, eine Sprache, deren
Gebrauch bis ins 17. Jhdt. n. Chr. nachgewiesen werden kann. Heute gibt es
Liturgien im koptischen Gottesdienst und Inschriften in koptischer Sprache (Die
Schrift ähnelt dem Griechischen), aber im Alltagsgebrauch ist die Sprache
verschwunden.
Heute
spricht man in Ägypten Arabisch, die Sprache der Nomaden in der Wüste der
arabischen Halbinsel. Es war eine Sprache ohne Schrift, bis der Prophet Mohamed
zwischen 610 und 632 n. Chr. den Koran schrieb. Die Verbreitung des Arabischen
- inzwischen sprechen 400 Mio. Menschen diese Sprache - beruht auf der Vorgabe,
dass der Islam über die Koranschulen seine Verbreitung finden soll. So ist seit
Jahrhunderten das Lesen und Auswendiglernen des Korans für viele Kinder in
diesem Teil der Welt die einzige Ausbildung; nur die Jungen sollen nach
Abschluss dieser Ausbildung auch schreiben können. Ägypten ist ein arabisches
Land geworden.






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