Wir sind
zurück in Aswan. Ein riesiger Granitriegel ist hier vor Jahrmillionen
entstanden, durch den sich der Nil hat durchfräsen müssen, weshalb der Katarakt
entstanden ist, und aus dem alle Standbilder und Obelisken des alten Ägypten
geformt wurden, für die dieser harte Stein genommen wurde. Noch heute kann man
den Steinbruch von damals besichtigen. Dieser Obelisk wurde nie fertiggestellt,
es wäre der größte und schwerste der Antike geworden. Rechts oben erkennt man
die Reste des Kanals, der damals mit dem Nil verbunden war. So weiß man heute,
wie diese schweren Brocken bis ins Nildelta gebracht werden konnten.
Auf einer
Insel im Stausee zwischen dem alten und dem neuen Damm besuchten wir die
Tempelanlage von Philae. Diese entstand, nachdem Alexander der Große Ägypten
erobert hatte. Auch die Römer haben die Anlage nach der Zeitenwende noch
ergänzt. Sie bauten diesen Trajans-Tempel, der auch „Bett des Pharaos“ genannt
wird. Er setzt in seiner Bauweise die ägyptische Kultur fort, wirkt aber durch
die Säulenanordnung luftiger.
An dem Isis-Tempel
(Isis = Osiris‘ Frau) kann man sehr gut erkennen, dass die Griechen und Römer
die ägyptische Mythologie im Prinzip übernommen haben, die Hierarchie der
Götter mit Zeus oder Jupiter anstelle von Atum an oberster Stelle und auch die
Relieftechnik fast unverändert blieb. Die Christen (Kopten) funktionierten
diesen Tempel dann zur Kirche um, zerstörten zahlreiche Reliefs (siehe links)
und meißelten ihr koptisches Kreuz in den Stein. Damit wurde die Zeitenwende
dokumentiert.
Die Kopten
haben in Ägypten auch heute noch die Stellhebel der Macht in der Hand und
verfügen deshalb über ausreichende finanzielle Mittel. Das sieht man dieser
großen koptischen Kirche in Aswan an, die an prominenter Stelle über der Stadt
thront.
Am Abend
wird es laut vor unserem Hotelzimmer. Von dem kleinen Balkon sehe ich rd. 200
Männer, die die Straße blockieren, Steinplatten vom Bürgerstein heraus hebeln
und zertrümmern und heftig diskutieren. 300 m weiter baut sich eine
Polizeitruppe auf. Dann fallen Schüsse und Reizgaspatronen fliegen durch die
Luft. Ätzender Rauch steigt zu mir hoch: Tränengas. Eine Stunde später ist es
wieder ruhig auf der Straße. Der Protest hatte sich formiert, um die Behörden
auf den Versorgungsnotstand bei Propangasflaschen hinzuweisen, die hier zum
Kochen benötigt werden. So erlebten wir die ägyptische Revolution hautnah und
fragen uns, ob sich auch hier eine Zeitenwende anbahnt.





Und schon wieder ein neuer Eintrag! Es scheint spannend zu bleiben, in der alten und der gegenwärtigen Geschichte!
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