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Montag, 23. April 2012

Das Reich Kusch

Der Handel zwischen dem Bergland von Äthiopien und dem ägyptischen Pharaonenreich, der im Wesentlichen über den Nil abgewickelt wurde, ließ im heutigen Sudan Anfang des 2. Jahrtausends vor Chr. den Staat Kusch entstehen. Kusch wurde so mächtig, dass die Ägypter es in der Hochphase ihrer 18. Dynastie im 15. Jhdt. v. Chr. angriffen und zurückdrängten. Doch die Kuschiten fanden ein zweites Mal zu respektabler Macht zurück. Die Hauptstadt dieses zweiten kuschitischen Reiches war Meroe, ca. 220 km nordöstlich von Khartum. Von dort aus regierten die kuschitischen Könige vom 4. Jhdt. v. Chr. bis zum 3. Jhdt. n. Chr. über ihr Reich. Das 40 km entfernte Al-Musawwarat as-sufra diente als religiöses Zentrum, das in der Zeit von König Arnekhamani erbaut wurde. Es finden sich hier verschiedene Tempel, einer wurde mit diesen ursprünglich ca. 6 m hohen Kolossalfiguren geschmückt.
Um die Hauptstadt Meroe herum gibt es drei Nekropolen mit den unten gezeigten bis zu 30 m hohen sehr steilen Pyramiden. Hier fanden die Könige ihre letzte Ruhe. Sie wurden mit zahlreichen Grabbeigaben ausgestattet, wie es auch bei den Ägyptern üblich war.
Der Jebel Barkal ist ein alleinstehender, weit sichtbarer 100 m hoher Tafelberg mit einer separaten Felsnadel am vorderen Ende, die die Form einer Kobra hat, das Machtsymbol ägyptischer Könige. Deshalb betrachteten die alten Ägypter den Jebel Barkal als den heiligen Berg, bauten ab dem 15. Jhdt. v. Chr. dort Tempelanlagen, u.a. den großen Amun-Tempel, und machten Barkal zu ihrem wichtigsten religiösen Zentrum. Hier sieht man vor dem Tafelberg (links die Felsnadel) Sphinxen aus Granit, die Widderköpfe tragen. Dies ist schon der kuschitische Einfluss, denn bei ihnen hatte der Sonnengott Amun den Kopf eines Widders.
Die Kuschiten übernahmen Anfang des 1. Jahrtausends vor Chr. den Jebel Barkal und mit ihm die Grundzüge der ägyptischen Kultur. Ab dem 8. Jhdt. v. Chr. herrschten sie sogar ein Jahrhundert lang über das ganze Niltal von Khartum bis zum Mittelmeer, bevor sie sich weiter nach Süden (Meroe) zurückziehen mussten. Sie bauten die Tempelanlagen weiter aus, und so entstand um 680 v. Chr. der Tempel von Mut (Göttin des Himmels, Frau des Amon), der halb in den Berg hinein gebaut ist. Vor ihm findet man diese beiden mit Hathor-Gesichtern verzierten Säulen (Hathor = Göttin der Kultur).
Wir hatten das Glück, dass uns der Museumsaufseher diesen Tempel öffnete und uns die zahlreichen Reliefs im Inneren im Detail erklärte. Jeweils auf der einen Seite der Räume waren die Darstellungen nach ägyptischem Vorbild, auf der anderen Seite in kuschitischer Abwandlung. Das alles war erstaunlich gut erhalten. Wir waren froh, dass wir die Antike so hautnah erleben durften.

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