Der Handel zwischen dem Bergland von Äthiopien und dem ägyptischen
Pharaonenreich, der im Wesentlichen über den Nil abgewickelt wurde, ließ im
heutigen Sudan Anfang des 2. Jahrtausends vor Chr. den Staat Kusch entstehen.
Kusch wurde so mächtig, dass die Ägypter es in der Hochphase ihrer 18. Dynastie
im 15. Jhdt. v. Chr. angriffen und zurückdrängten. Doch die Kuschiten fanden
ein zweites Mal zu respektabler Macht zurück. Die Hauptstadt dieses zweiten
kuschitischen Reiches war Meroe, ca. 220 km nordöstlich von Khartum. Von dort
aus regierten die kuschitischen Könige vom 4. Jhdt. v. Chr. bis zum 3. Jhdt. n.
Chr. über ihr Reich. Das 40 km entfernte Al-Musawwarat as-sufra diente als religiöses Zentrum, das in der Zeit von
König Arnekhamani erbaut wurde.
Es finden sich hier verschiedene Tempel, einer wurde mit diesen ursprünglich
ca. 6 m hohen Kolossalfiguren geschmückt.
Um die Hauptstadt Meroe herum gibt es drei Nekropolen mit den unten
gezeigten bis zu 30 m hohen sehr steilen Pyramiden. Hier fanden die Könige ihre
letzte Ruhe. Sie wurden mit zahlreichen Grabbeigaben ausgestattet, wie es auch
bei den Ägyptern üblich war.
Der Jebel Barkal ist ein alleinstehender, weit sichtbarer 100 m hoher
Tafelberg mit einer separaten Felsnadel am vorderen Ende, die die Form einer
Kobra hat, das Machtsymbol ägyptischer Könige. Deshalb betrachteten die alten
Ägypter den Jebel Barkal als den heiligen Berg, bauten ab dem 15. Jhdt. v. Chr.
dort Tempelanlagen, u.a. den großen Amun-Tempel, und machten Barkal zu ihrem wichtigsten
religiösen Zentrum. Hier sieht man vor dem Tafelberg (links die Felsnadel)
Sphinxen aus Granit, die Widderköpfe tragen. Dies ist schon der kuschitische
Einfluss, denn bei ihnen hatte der Sonnengott Amun den Kopf eines Widders.
Die Kuschiten übernahmen Anfang des 1. Jahrtausends vor Chr. den Jebel
Barkal und mit ihm die Grundzüge der ägyptischen Kultur. Ab dem 8. Jhdt. v.
Chr. herrschten sie sogar ein Jahrhundert lang über das ganze Niltal von
Khartum bis zum Mittelmeer, bevor sie sich weiter nach Süden (Meroe)
zurückziehen mussten. Sie bauten die Tempelanlagen weiter aus, und so entstand
um 680 v. Chr. der Tempel von Mut (Göttin des Himmels, Frau des Amon), der halb in den Berg
hinein gebaut ist. Vor ihm findet man diese beiden mit Hathor-Gesichtern
verzierten Säulen (Hathor = Göttin der Kultur).
Wir hatten das Glück, dass uns der Museumsaufseher diesen Tempel
öffnete und uns die zahlreichen Reliefs im Inneren im Detail erklärte. Jeweils
auf der einen Seite der Räume waren die Darstellungen nach ägyptischem Vorbild,
auf der anderen Seite in kuschitischer Abwandlung. Das alles war erstaunlich
gut erhalten. Wir waren froh, dass wir die Antike so hautnah erleben durften.





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