Das Fahrzeug

Dienstag, 17. April 2012

Leben ohne Geld


Von Axum aus ging es wieder 360 km zurück nach Südosten. Die Piste war zum Teil erbärmlich. Aber die Ausblicke entschädigten uns für die Rüttelei und das langsame Vorwärtskommen. Hier die Simien Mountains, das höchste Gebirgsmassiv Äthiopiens mit dem 4.600 m hohen Ras Dashen, dem vierthöchsten Berg Afrikas.
Nach 11 Tagen in Äthiopien haben wir doch einiges erfahren über die Menschen hier, und gerade wenn man die Staubstraßen über Land nimmt, kommt man ihnen sehr nahe. In Äthiopien bettelt quasi jeder, ich glaube die ersten beiden Wörter, die ein Kleinkind lernt ist „Hello“ und „Money“. Unsere Führer gaben uns zu verstehen, dass es die Touristen sind, die diese Mentalität erzeugt haben. Bei so viel offensichtlicher Armut verschafft man sich mit dem Zustecken von Geldscheinen ein besseres Gefühl. Aber Armut ist nicht mit Elend gleichzusetzen, die Menschen haben genug zu essen, sind durchaus zufrieden und überaus freundlich. 85 % der Einwohner Äthiopiens leben von der Landwirtschaft, haben also das, was auf dem Feld wächst sowie Hühner, Schafe, Ziegen und Rinder. Esel dienen zu Transportzwecken. Leider müssen die Kinder die Tiere hüten und gehen deshalb oft nicht in die Schule.
Beispielhaft zeige ich hier einmal eine Frau, die Gerste stampft, nachdem ihre Mutter diese auf einem Holzfeuer geröstet hat. Danach wir die Spreu vom Korn getrennt, und dann hat man ein Basislebensmittel, das durchaus nahrhaft und vitaminreich ist. Das alles wirkt natürlich primitiv, und diese Frau ist nach unseren Maßstäben sehr arm, aber sie hat alles, was sie zum Leben braucht.
Schlecht gelaunt scheint sie auch nicht zu sein, nachdem wir sie nach alle diesen Details befragt haben.
Natürlich geht es nicht ganz ohne Geld, denn wenn man sich Kleider - Eine Hose und ein T-Shirt bekommt man für rd. 10 € auf dem Markt - oder Medizin kaufen will, dann geht das nur mit Geld. Dafür wandert man dann meist am Samstag auf den nächsten Markt und verkauft ein paar Hühner, eine Ziege oder die verschiedenen landwirtschaftlichen Produkte. Die Landbevölkerung wird auf jeden Fall weniger besitzen als ein Lehrer, der in Äthiopien rd. 75 € im Monat verdient. Viele Lehrer haben nach einigen Jahren im Schuldienst Ihren Beruf gewechselt und sind Touristenführer geworden, denn da bekommt man für einen Tag Arbeit 20 bis 30 €. Bei der Frau auf dem Bild haben wir übrigens äthiopischen Weihrauch gekauft.
Am 17. April feierten wir Annas Geburtstag. Ein junger Mann aus dem Hotel hatte dazu eine Geburtstagstorte und eine Flasche Sekt besorgt. So konnten wir auch in der Ferne Annas Ehrentag gebührend feiern.

1 Kommentar:

  1. Liebe Mama, auch über den Blog wünsche ich dir noch mal ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG! Ich hoffe du hast deinen besonderen Tag im fernen Äthiopien genießen können und die schöne Torte hat hoffentlich auch gut geschmeckt.

    Vielen Dank auch für die Einblicke in das alltägliche Leben der Äthiopier und die tollen Bilder - ich freue mich schon auf die nächsten Berichte.

    Liebe Grüße aus dem heißen (gestern waren es 33ºC!) DC,
    Bussis
    Maja

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