Wie der
geneigte Leser dieses Blogs sicher gemerkt hat, sind Anna und ich sehr an
Geschichte interessiert und zogen deshalb unser eigenes Programm durch. Gleich
nach Ankunft in Aswan und einem schnellen Lunch sind wir mit einer Feluke rund
um die Insel Elephantine gefahren. Da der Wind immer nilaufwärts bläst, sind
diese breiten Segelboote seit Jahrtausenden ein beliebtes Transportmittel.
Gegenüber dem neuen Aswan erstrecken sich die Sahara-Dünen bis direkt an den
Fluss.
Am nächsten
Morgen um 3:00 Uhr brachen wir dann per Bus auf und fuhren die 280 km wieder
nach Süden zurück. Abu Simbel am Nassersee war unser Ziel. Hier hat Ramses II
zwei kolossale Tempel errichten lassen. Vor dem Haupttempel wurden vier 21 m
hohen Figuren, die ihn selber darstellen, in den Stein gemeißelt.
Die beiden
Tempel wären nach dem Staudammbau im Jahre 1960 eigentlich im Stausee
versunken, sind aber in einer gigantischen Aktion in über 1.000 Stücke
zerschnitten und weiter oberhalb wieder zusammengesetzt worden. Über diese
Aktion wurde damals natürlich rund um die Welt berichtet, was diese
Tempelanlage erst richtig berühmt gemacht hat.
Der zweite
kleinere Tempel ist Ramses Lieblingsfrau Nefertari gewidmet. Hier finden sich
vier Standbilder des Königs und zwei seiner Frau am Eingang. Leider war es
verboten, im Inneren der Tempel zu fotografieren, so können wir die
wunderschönen Wandreliefs hier leider nicht abbilden.
Nun haben
wir bereits diverse Reisen unternommen und das geschichtliche Puzzle wird immer
komplexer. Selten werden die unterschiedlichen Völker und Kulturen in einem
Gesamtüberblick zueinander behandelt, meist lernt man nur die Geschichte eines
Volkes und die jeweilige Außenwelt als subjektiven Zusatz. Am Ende dieses Posts
habe ich deshalb versucht, die Geschichte der Hochkulturen dieser Welt bis zur
Zeitenwende in einen sicherlich noch fehlerhaften Gesamtzusammenhang zu
stellen.
Zurück in Aswan
– unsere Freunde warteten bereits auf uns – ging es erneut auf den Fluss. Wir
wollten Picknick machen und ließen uns mit einem Motorboot stromaufwärts an
einen ruhigen Strand fahren, an dem, wie man unten sieht, gerade Kamele
getränkt wurden.
Die
Bootscrew hatte frischen Fisch aus dem Nil dabei und bereitete uns ein sehr
schmackhaftes spätes Lunch. Wir genossen die kühle Brise, das Glucksen des
Wassers und das satte Gelb des Sahara-Sandes.
3.100 v. Chr.: König
Menes vereint Ober- und Unterägypten. Seine Nachfolger gründen die Hauptstadt
Memphis (nahe Kairo). Die erste Hochkultur dieser Welt entsteht. Handel trieben
die Ägypter mit Völkern, die an der Ostküste des Mittelmeeres (Libanon, Syrien,
Israel) lebten sowie dem Land Punt im heutigen Somalia und den äthiopischen
Bergen, das auch „Land des Weihrauchs“ genannt wird, ein kostbares Harz, das
Insekten vertreibt und sehr wohlriechend ist.
2.650 v. Chr.: Der Baumeister Imhotep schafft in Memphis die
erste Pyramide der Welt.
1.700 v. Chr.: Die Nubier (Nub = ägyptisch: „Gold“)
gründen südlich von Ägypten den Staat Kusch (Kusch = ägyptisch: „Die Leute, die
Ärger machen“), der die Handelsroute der Ägypter ins äthiopische Hochland, vor allem
aber den Zugang zu den Goldminen kontrolliert. Auf dem Gebiet des heutigen Syrien/Libanon/Israel
bilden sich kleine Stadtstaaten (z.B. Qatna, Kanaan).
Die Hethiter
wandern nach Zentralanatolien und gründen ein Reich, das sie nach und nach auf
das gesamte Gebiet der heutigen Türkei und Syriens ausdehnen. Ihre Hauptstadt
ist Hattusha (nahe Ankara). Das alte Babylon erlebt im Zweistromland (Irak) seine
erste Blütezeit. In Ägypten fallen erstmals äußere Feinde ein. Sie kommen aus Vorderasien
und werden „Hyksos“ genannt. Sie setzen sich im Nildelta fest und beenden die
Phase des Alten Reiches.
1.600 v. Chr.: Die „Hyksos“ entwickeln zum ersten Mal
Streitwagen und führen damit in Ägypten Wagen mit Rädern ein; bis dahin hatten
die Ägypter alle Güter ausschließlich mit Booten auf dem Nil transportiert. Die
„Hyksos“ werden nach 140 Jahren von Thutmosis I wieder vertrieben.
Babylon wird
von den Hethitern erobert.
1.540 v. Chr.: Nach dem „alten Reich“ sowie dem
„Mittelreich“ gründeten die Fürsten von Theben das „Neue Reich“. Theben (heute
Luxor) wurde die neue Hauptstadt. Der Pharao Thutmosis I wurde als erster im
Tal der Könige beigesetzt.
1.450 v. Chr.: Thutmosis I war es auch, der die Kuschiten
zurückdrängte und das Reich bis in den Sudan hinein erweiterte. Damit
kontrollierten die Ägypter wieder den Zugang zu den Goldminen.
1.350 v. Chr.: Echnaton regiert Ägypten und verlegt die
Hauptstadt. Nach seinem Tod wird der erst 9-jährige Tutanchamun auf den Thron
gehoben. Theben wird wieder Hauptstadt. Beide Herrscher sind relativ bekannt,
geschichtlich aber unbedeutend.
1.300 v. Chr.: Moses empfängt auf dem Sinai von Gott die
10 Gebote und führt das Volk der Juden aus Ägypten über das Rote Meer („und er
teilte das Wasser …“) in das Gebiet des heutigen Israel.
1.250 v. Chr.: Ramses II. regiert Ägypten über 60 Jahre
lang, baut zahlreiche Denkmäler und rühmt sich großer Siege über seine Feinde.
Derweil dringen die Hethiter nach Syrien vor und vernichten die Stadtstaaten. Ägypter
und Hethiter schließen den ersten Friedensvertrag der Geschichte.
1.100 v. Chr.: Babylon erlebt unter König
Nebukadnezar seine zweite Blütephase. Die Ägypter werden vom Meer aus angegriffen. Man
vermutet, dass diese Angreifer aus Kreta stammen. Ramses III lässt die erste
ägyptische Kriegsflotte bauen und drängt die Eindringlinge zurück. Auch die
Hethiter werden von einem nicht identifizierten Seevolk angegriffen. Alle ihre
Städte werden zerstört und mit ihnen die hethitische Kultur.
1.000 v. Chr.: Das Reich Aksum folgt dem Land Punt im
äthiopischen Hochland.
900 v. Chr.: König
Salomon regiert über die Juden und hat eine Affäre mit der Königin von Saba.
Der gemeinsame Sohn Menelik entführt die Bundeslade (10 Gebote) aus Jerusalem
und bringt sie nach Aksum.
750 v. Chr.: Die
Skyten schaffen die erste nomadische Hochkultur und beherrschen die eurasische Steppe.
Sie bauen keine Städte, aber sie benutzen gewaltige Prunkwagen, mit denen sie
durchs Land ziehen. Ihre Goldschmiedekunst ist legendär.
Die Perser werden
sesshaft und gründen nach einigen Eroberungen ihr Reich im heutigen Ost-Iran. Ihre
Hauptstadt ist Persepolis.
Die
Kuschiten erobern Ägypten und stellen zwei Jahrhunderte lang den Pharao. Ihr Reich
erstreckt sich vom Fuße der äthiopischen Berge bis zum Mittelmeer.
Das antike
Griechenland beginnt sich zu etablieren.
600 v. Chr.: Die
Skyten dringen bis ins Zweistromland vor und sollen sogar in Ägypten
eingefallen sein.
550 v. Chr.: Die
Perser erobern Babylon und dringen bis nach Ägypten vor. Sie verwüsten viele
antike Stätten, weil sie den Amun-Kult zerstören wollen. Die ägyptischen Priester
lockten sie zu dem Orakel des Amun in der Oase Siwa (an der Grenze zu Libyen).
50.000 Soldaten fanden in der Sahara den Tod, der persische König erkennt daraufhin
Amun an und kehrt in sein Heimatland zurück.
500 v. Chr.: Die Griechen schaffen die erste „demokratische“
Hochkultur auf westeuropäischem Boden. Ihr größter Feind sind die Perser im
Osten. Die Kuschiten haben Ägypten wieder verloren und ziehen sich in die neue
Hauptstadt Meroe (nördlich Khartum) zurück. Im Süden verzeichnet das erstarkte
Aksum Landgewinne, beherrscht sogar Teile der arabischen Halbinsel.
350 v. Chr.: Alexander
der Große schlägt die Perser, erobert Babylon sowie Ägypten und dringt bis an
den Hindukusch sowie nach Indien vor.
250 v. Chr.: Das
Reich Alexanders zerfällt. Die Perser werden wieder eigenständig. Ägypten wird vom
Sohn Alexanders regiert. Das römische Reich wird zum Machtfaktor im Mittelmeerraum.
China wird
vom selbsternannten Kaiser Qin Shihuangdi geeint. Dieser lässt auch die
berühmte „Tönerne Armee“ als seine Grabbeigabe in der Nähe von Xian aufstellen.
40 v. Chr.: Cleopatra
ist die letzte Königin eines unabhängigen Ägyptens.
30 v. Chr.: Ägypten
wird Teil des römischen Reiches.
China, Rom,
Aksum sowie die Perser herrschen über die zivilisierte Welt.





Ihr Lieben,
AntwortenLöschenVielen Dank für diese ausführliche Zusammenstellung geschichtlicher Zusammenhänge - es ist sehr spannend, den Zusammenhang zwischen all den Völkern und Reichen zu erkennen, deren Überbleibsel ihr auf eurer Reise erkundet habt! Es ist schon Wahnsinn, was bereits vor der Geburt Christi so alles passiert ist - das lässt unser heutiges Leben sehr relativ erscheinen...
Bussis
Maja
Ai ai ai. das wird aber ganz schön knapp. Wenigstens sind die Fahrzeuge auf dem Weg. Viel Glück euch.
AntwortenLöschenBussi
Cleo