Das Fahrzeug

Sonntag, 29. April 2012

Geschichtspuzzle


Wie der geneigte Leser dieses Blogs sicher gemerkt hat, sind Anna und ich sehr an Geschichte interessiert und zogen deshalb unser eigenes Programm durch. Gleich nach Ankunft in Aswan und einem schnellen Lunch sind wir mit einer Feluke rund um die Insel Elephantine gefahren. Da der Wind immer nilaufwärts bläst, sind diese breiten Segelboote seit Jahrtausenden ein beliebtes Transportmittel. Gegenüber dem neuen Aswan erstrecken sich die Sahara-Dünen bis direkt an den Fluss.
Am nächsten Morgen um 3:00 Uhr brachen wir dann per Bus auf und fuhren die 280 km wieder nach Süden zurück. Abu Simbel am Nassersee war unser Ziel. Hier hat Ramses II zwei kolossale Tempel errichten lassen. Vor dem Haupttempel wurden vier 21 m hohen Figuren, die ihn selber darstellen, in den Stein gemeißelt.
Die beiden Tempel wären nach dem Staudammbau im Jahre 1960 eigentlich im Stausee versunken, sind aber in einer gigantischen Aktion in über 1.000 Stücke zerschnitten und weiter oberhalb wieder zusammengesetzt worden. Über diese Aktion wurde damals natürlich rund um die Welt berichtet, was diese Tempelanlage erst richtig berühmt gemacht hat.
Der zweite kleinere Tempel ist Ramses Lieblingsfrau Nefertari gewidmet. Hier finden sich vier Standbilder des Königs und zwei seiner Frau am Eingang. Leider war es verboten, im Inneren der Tempel zu fotografieren, so können wir die wunderschönen Wandreliefs hier leider nicht abbilden.
Nun haben wir bereits diverse Reisen unternommen und das geschichtliche Puzzle wird immer komplexer. Selten werden die unterschiedlichen Völker und Kulturen in einem Gesamtüberblick zueinander behandelt, meist lernt man nur die Geschichte eines Volkes und die jeweilige Außenwelt als subjektiven Zusatz. Am Ende dieses Posts habe ich deshalb versucht, die Geschichte der Hochkulturen dieser Welt bis zur Zeitenwende in einen sicherlich noch fehlerhaften Gesamtzusammenhang zu stellen.
Zurück in Aswan – unsere Freunde warteten bereits auf uns – ging es erneut auf den Fluss. Wir wollten Picknick machen und ließen uns mit einem Motorboot stromaufwärts an einen ruhigen Strand fahren, an dem, wie man unten sieht, gerade Kamele getränkt wurden.
Die Bootscrew hatte frischen Fisch aus dem Nil dabei und bereitete uns ein sehr schmackhaftes spätes Lunch. Wir genossen die kühle Brise, das Glucksen des Wassers und das satte Gelb des Sahara-Sandes.

3.100 v. Chr.:     König Menes vereint Ober- und Unterägypten. Seine Nachfolger gründen die Hauptstadt Memphis (nahe Kairo). Die erste Hochkultur dieser Welt entsteht. Handel trieben die Ägypter mit Völkern, die an der Ostküste des Mittelmeeres (Libanon, Syrien, Israel) lebten sowie dem Land Punt im heutigen Somalia und den äthiopischen Bergen, das auch „Land des Weihrauchs“ genannt wird, ein kostbares Harz, das Insekten vertreibt und sehr wohlriechend ist.
2.650 v. Chr.:     Der Baumeister Imhotep schafft in Memphis die erste Pyramide der Welt.
1.700 v. Chr.:     Die Nubier (Nub = ägyptisch: „Gold“) gründen südlich von Ägypten den Staat Kusch (Kusch = ägyptisch: „Die Leute, die Ärger machen“), der die Handelsroute der Ägypter ins äthiopische Hochland, vor allem aber den Zugang zu den Goldminen kontrolliert. Auf dem Gebiet des heutigen Syrien/Libanon/Israel bilden sich kleine Stadtstaaten (z.B. Qatna, Kanaan).
Die Hethiter wandern nach Zentralanatolien und gründen ein Reich, das sie nach und nach auf das gesamte Gebiet der heutigen Türkei und Syriens ausdehnen. Ihre Hauptstadt ist Hattusha (nahe Ankara). Das alte Babylon erlebt im Zweistromland (Irak) seine erste Blütezeit. In Ägypten fallen erstmals äußere Feinde ein. Sie kommen aus Vorderasien und werden „Hyksos“ genannt. Sie setzen sich im Nildelta fest und beenden die Phase des Alten Reiches.
1.600 v. Chr.:     Die „Hyksos“ entwickeln zum ersten Mal Streitwagen und führen damit in Ägypten Wagen mit Rädern ein; bis dahin hatten die Ägypter alle Güter ausschließlich mit Booten auf dem Nil transportiert. Die „Hyksos“ werden nach 140 Jahren von Thutmosis I wieder vertrieben.
Babylon wird von den Hethitern erobert.
1.540 v. Chr.:     Nach dem „alten Reich“ sowie dem „Mittelreich“ gründeten die Fürsten von Theben das „Neue Reich“. Theben (heute Luxor) wurde die neue Hauptstadt. Der Pharao Thutmosis I wurde als erster im Tal der Könige beigesetzt.
1.450 v. Chr.:     Thutmosis I war es auch, der die Kuschiten zurückdrängte und das Reich bis in den Sudan hinein erweiterte. Damit kontrollierten die Ägypter wieder den Zugang zu den Goldminen.
1.350 v. Chr.:     Echnaton regiert Ägypten und verlegt die Hauptstadt. Nach seinem Tod wird der erst 9-jährige Tutanchamun auf den Thron gehoben. Theben wird wieder Hauptstadt. Beide Herrscher sind relativ bekannt, geschichtlich aber unbedeutend.
1.300 v. Chr.:     Moses empfängt auf dem Sinai von Gott die 10 Gebote und führt das Volk der Juden aus Ägypten über das Rote Meer („und er teilte das Wasser …“) in das Gebiet des heutigen Israel.
1.250 v. Chr.:     Ramses II. regiert Ägypten über 60 Jahre lang, baut zahlreiche Denkmäler und rühmt sich großer Siege über seine Feinde. Derweil dringen die Hethiter nach Syrien vor und vernichten die Stadtstaaten. Ägypter und Hethiter schließen den ersten Friedensvertrag der Geschichte.
1.100 v. Chr.:     Babylon erlebt unter König Nebukadnezar seine zweite Blütephase. Die Ägypter werden vom Meer aus angegriffen. Man vermutet, dass diese Angreifer aus Kreta stammen. Ramses III lässt die erste ägyptische Kriegsflotte bauen und drängt die Eindringlinge zurück. Auch die Hethiter werden von einem nicht identifizierten Seevolk angegriffen. Alle ihre Städte werden zerstört und mit ihnen die hethitische Kultur.
1.000 v. Chr.:     Das Reich Aksum folgt dem Land Punt im äthiopischen Hochland.
   900 v. Chr.:      König Salomon regiert über die Juden und hat eine Affäre mit der Königin von Saba. Der gemeinsame Sohn Menelik entführt die Bundeslade (10 Gebote) aus Jerusalem und bringt sie nach Aksum.
   750 v. Chr.:      Die Skyten schaffen die erste nomadische Hochkultur und beherrschen die eurasische Steppe. Sie bauen keine Städte, aber sie benutzen gewaltige Prunkwagen, mit denen sie durchs Land ziehen. Ihre Goldschmiedekunst ist legendär.
Die Perser werden sesshaft und gründen nach einigen Eroberungen ihr Reich im heutigen Ost-Iran. Ihre Hauptstadt ist Persepolis.
Die Kuschiten erobern Ägypten und stellen zwei Jahrhunderte lang den Pharao. Ihr Reich erstreckt sich vom Fuße der äthiopischen Berge bis zum Mittelmeer.
Das antike Griechenland beginnt sich zu etablieren.
   600 v. Chr.:      Die Skyten dringen bis ins Zweistromland vor und sollen sogar in Ägypten eingefallen sein.
   550 v. Chr.:      Die Perser erobern Babylon und dringen bis nach Ägypten vor. Sie verwüsten viele antike Stätten, weil sie den Amun-Kult zerstören wollen. Die ägyptischen Priester lockten sie zu dem Orakel des Amun in der Oase Siwa (an der Grenze zu Libyen). 50.000 Soldaten fanden in der Sahara den Tod, der persische König erkennt daraufhin Amun an und kehrt in sein Heimatland zurück.
   500 v. Chr.:      Die Griechen schaffen die erste „demokratische“ Hochkultur auf westeuropäischem Boden. Ihr größter Feind sind die Perser im Osten. Die Kuschiten haben Ägypten wieder verloren und ziehen sich in die neue Hauptstadt Meroe (nördlich Khartum) zurück. Im Süden verzeichnet das erstarkte Aksum Landgewinne, beherrscht sogar Teile der arabischen Halbinsel.
   350 v. Chr.:      Alexander der Große schlägt die Perser, erobert Babylon sowie Ägypten und dringt bis an den Hindukusch sowie nach Indien vor.
   250 v. Chr.:      Das Reich Alexanders zerfällt. Die Perser werden wieder eigenständig. Ägypten wird vom Sohn Alexanders regiert. Das römische Reich wird zum Machtfaktor im Mittelmeerraum.
China wird vom selbsternannten Kaiser Qin Shihuangdi geeint. Dieser lässt auch die berühmte „Tönerne Armee“ als seine Grabbeigabe in der Nähe von Xian aufstellen.
    40 v. Chr.:       Cleopatra ist die letzte Königin eines unabhängigen Ägyptens.
    30 v. Chr.:       Ägypten wird Teil des römischen Reiches.
China, Rom, Aksum sowie die Perser herrschen über die zivilisierte Welt.

2 Kommentare:

  1. Ihr Lieben,

    Vielen Dank für diese ausführliche Zusammenstellung geschichtlicher Zusammenhänge - es ist sehr spannend, den Zusammenhang zwischen all den Völkern und Reichen zu erkennen, deren Überbleibsel ihr auf eurer Reise erkundet habt! Es ist schon Wahnsinn, was bereits vor der Geburt Christi so alles passiert ist - das lässt unser heutiges Leben sehr relativ erscheinen...

    Bussis
    Maja

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  2. Ai ai ai. das wird aber ganz schön knapp. Wenigstens sind die Fahrzeuge auf dem Weg. Viel Glück euch.

    Bussi

    Cleo

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