Wir fahren
mit dem Zug nach Luxor, finden ein gutes Hotel und suchen nach einem Führer.
Für 250 US $ erhielten wir ein Komplettangebot für zwei halbe Tage Führung zu
allen wesentlichen antiken Stätten hier in Luxor (Theben). Natürlich gab es
dann noch 20 % Rabatt und nach weiteren mühsamen Verhandlungen hatte ich den
Preis dann auf 90 US $ reduziert: Wir wurden uns handelseinig, bis mein
Gegenüber mir klarmachte, dass dieser Preis pro Person gilt … Wir machten uns also
alleine auf den Weg. Am Eingang zu der riesigen Karnak-Tempelanlage lernten wir
Khaled Helmy kennen. Er ist Inspektor für Archäologie, hat fünf Jahre in Kairo
Geschichte studiert, kann die ägyptischen Hieroglyphen lesen und war bereit,
uns für 90 US $ zu betreuen, ein Glücksfall!
Karnak heißt
im Ägyptischen „Tempel des Geistes“. Wie man auf dem Foto unten sieht, sind die
Abmessungen dieser Anlage gigantisch. Wir haben schon sehr viel gesehen, aber
solche Dimensionen sind uns noch nicht untergekommen. Allein der Mut, sich in
der damaligen Zeit so etwas vorzustellen, und es dann auch noch in die Tat
umzusetzen, macht einen sprachlos. 120 Obelisken mit einer Höhe zwischen 25 und
30 Metern gab es hier, die heute in Rom, Paris, New York, Istanbul oder sonst
wo stehen. 17.000 Bronze- und 800 Stein-Statuen hat man damals beim Angriff der
Perser in Sicherheit gebracht, und laut Khaled sind erst 60 % der Anlage
freigelegt.
Da unser
Führer an den weitergehenden Ausgrabungen beteiligt ist, kommen wir auch an
Stellen, die für den Normaltouristen unzugänglich sind. In einem jüngst erst
freigelegten Raum sehen wir zum ersten Mal, wie die zahlreichen Reliefs früher
bemalt waren. Die antike Welt stellt sich uns heute falsch dar. Sie war sehr
bunt!
Abends kam
dann der Show-Teil, wenn die Tempel beleuchtet werden. Diese Aufnahme entstand
im Luxor-Tempel, der einzig und allein dem Zwecke der Vermehrung diente. 27
Tage im Jahr zog sich der Pharao mit seinem Harem hierher zurück, um mit den
Göttern vereint Kinder zu zeugen. Zusammen mit der Karnak, von wo aus man in der Antike über eine 3 km lange Sphingen-Allee zum Luxor-Tempel gehen konnte, handelt es sich hier um die größte Tempelanlage der Welt.
Zur
aktuellen politischen Situation: In Kairo sind die Würfel noch nicht gefallen.
Wie soll es weitergehen in Ägypten? Die einfachen Leute sagen uns, dass man
mehr für die Armen tun müsste und dass es gut war, Mubarak zu entmachten. Die
Bildungsschicht ist skeptisch, sieht eher eine negative Entwicklung voraus,
weil Männer am Werke seien, die ebenfalls nur den eigenen Vorteil suchten. Was
man unmittelbar spüren kann, ist z.B. ein Engpass bei der Versorgung mit Treibstoff
oder ein Rückgang des Tourismus. In Luxor spricht man von - 20 bis - 70 %. Das
trifft die Menschen unmittelbar, ein Taxifahrer oder der Besitzer einer
Pferdedroschke hat ein entsprechend geringeres Einkommen. Solange das eine
temporäre „Delle“ ist, lässt es sich am Ende verkraften, wenn sich der
„Normalzustand“ jedoch nicht in überschaubarer Zeit wieder einstellt, wird die
Revolution weitergehen und sich der Niedergang des Landes fortsetzen. Auf dem
Bild unten sieht man Kreuzfahrtschiffe, die in Luxor ungenutzt vor Anker
liegen, es sind Hunderte!





Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen