Das Fahrzeug

Sonntag, 29. April 2012

Khaled Helmy


Wir fahren mit dem Zug nach Luxor, finden ein gutes Hotel und suchen nach einem Führer. Für 250 US $ erhielten wir ein Komplettangebot für zwei halbe Tage Führung zu allen wesentlichen antiken Stätten hier in Luxor (Theben). Natürlich gab es dann noch 20 % Rabatt und nach weiteren mühsamen Verhandlungen hatte ich den Preis dann auf 90 US $ reduziert: Wir wurden uns handelseinig, bis mein Gegenüber mir klarmachte, dass dieser Preis pro Person gilt … Wir machten uns also alleine auf den Weg. Am Eingang zu der riesigen Karnak-Tempelanlage lernten wir Khaled Helmy kennen. Er ist Inspektor für Archäologie, hat fünf Jahre in Kairo Geschichte studiert, kann die ägyptischen Hieroglyphen lesen und war bereit, uns für 90 US $ zu betreuen, ein Glücksfall!
Karnak heißt im Ägyptischen „Tempel des Geistes“. Wie man auf dem Foto unten sieht, sind die Abmessungen dieser Anlage gigantisch. Wir haben schon sehr viel gesehen, aber solche Dimensionen sind uns noch nicht untergekommen. Allein der Mut, sich in der damaligen Zeit so etwas vorzustellen, und es dann auch noch in die Tat umzusetzen, macht einen sprachlos. 120 Obelisken mit einer Höhe zwischen 25 und 30 Metern gab es hier, die heute in Rom, Paris, New York, Istanbul oder sonst wo stehen. 17.000 Bronze- und 800 Stein-Statuen hat man damals beim Angriff der Perser in Sicherheit gebracht, und laut Khaled sind erst 60 % der Anlage freigelegt.
Da unser Führer an den weitergehenden Ausgrabungen beteiligt ist, kommen wir auch an Stellen, die für den Normaltouristen unzugänglich sind. In einem jüngst erst freigelegten Raum sehen wir zum ersten Mal, wie die zahlreichen Reliefs früher bemalt waren. Die antike Welt stellt sich uns heute falsch dar. Sie war sehr bunt!
Abends kam dann der Show-Teil, wenn die Tempel beleuchtet werden. Diese Aufnahme entstand im Luxor-Tempel, der einzig und allein dem Zwecke der Vermehrung diente. 27 Tage im Jahr zog sich der Pharao mit seinem Harem hierher zurück, um mit den Göttern vereint Kinder zu zeugen. Zusammen mit der Karnak, von wo aus man in der Antike über eine 3 km lange Sphingen-Allee zum Luxor-Tempel gehen konnte, handelt es sich hier um die größte Tempelanlage der Welt.
Zur aktuellen politischen Situation: In Kairo sind die Würfel noch nicht gefallen. Wie soll es weitergehen in Ägypten? Die einfachen Leute sagen uns, dass man mehr für die Armen tun müsste und dass es gut war, Mubarak zu entmachten. Die Bildungsschicht ist skeptisch, sieht eher eine negative Entwicklung voraus, weil Männer am Werke seien, die ebenfalls nur den eigenen Vorteil suchten. Was man unmittelbar spüren kann, ist z.B. ein Engpass bei der Versorgung mit Treibstoff oder ein Rückgang des Tourismus. In Luxor spricht man von - 20 bis - 70 %. Das trifft die Menschen unmittelbar, ein Taxifahrer oder der Besitzer einer Pferdedroschke hat ein entsprechend geringeres Einkommen. Solange das eine temporäre „Delle“ ist, lässt es sich am Ende verkraften, wenn sich der „Normalzustand“ jedoch nicht in überschaubarer Zeit wieder einstellt, wird die Revolution weitergehen und sich der Niedergang des Landes fortsetzen. Auf dem Bild unten sieht man Kreuzfahrtschiffe, die in Luxor ungenutzt vor Anker liegen, es sind Hunderte!

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