Wir ließen Addis Abeba hinter uns. Über ein Hochplateau
fuhren wir weiter nach Norden. Doch schon nach kurzer Zeit konnten wir in tiefe
Canyons hinunterschauen. Der Blaue Nil oder wie er hier genannt wird, der Abay
kündigte sich an. Auf dem Foto unten sieht man das Tal eines seiner Nebenflüsse.
Weit oben auf einem Absatz in dem Steilhang dieses
Canyons findet man das Kloster Debre Libanos, Jahrhunderte lang der heiligste
Ort der äthiopisch-orthodoxen Kirche. Der Missionar Tekle Haymanot, der vor rd.
1.400 Jahren Äthiopien christianisierte, hat hier das erste Kloster gegründet.
Die aktuelle eher nüchterne Kirche entstand in den 1950er Jahren. Uns
beeindruckte die Inbrunst, mit der die orthodoxen Christen hier ihren Glauben
leben. Überall fanden Gottesdienste und Bibel-Lesungen statt, denn wir waren
genau in der Vorosterwoche und damit in der Fastenzeit hier.
Ca. 100 km weiter im Norden fuhren wir über enge
Serpentinen von 2.500 m auf 1.000 m hinab zur neuen Nilbrücke. Der Blaue Nil
fließt aus dem Tanasee nach Osten und dann in einem riesigen Bogen nach Süden
und Westen, bevor er sich Richtung Sudan und Ägypten nach Norden wendet. Wir
überquerten den Fluss an der Stelle, an der er zum ersten Mal Richtung Westen
schenkt. Von nun an wird der Nil uns bis zum Ende unserer Reise begleiten.
Bahir Dar liegt am Tanasee und ist eine kleine adrette
Stadt, wenn man äthiopische Verhältnisse zugrunde legt. Was das heißt, soll das
nachfolgende Bild verdeutlichen, das wir morgens vom Balkon unseres Hotelzimmers
machten. Es ist seltsam, aber irgendwie gewöhnt man sich an den Staub, die
unglaublichen Abgase, den Rauch der vielen Feuer, die zum Kochen in jeder Hütte
entfacht werden, und den herumliegenden Abfall samt damit einhergehendem
Gestank.
Der Tanasee ist der drittgrößte See Afrikas und hat eine
Fläche von 3.500 qkm, er ist also ein kleines Binnenmeer. Berühmt ist der See
wegen seiner zahlreichen Inseln, auf denen alte Kirchen und Klöster zu finden
sind. Die ständige Bedrohung durch Andersgläubige – insbesondere natürlich die
Moslems, aber auch die Juden und in späteren Jahrhunderten die Katholiken –,
die das orthodoxe Christentum ausmerzen wollten, hat dazu geführt, dass die
Kirchen und Glaubenszentren an solchen schwer zugänglichen Stellen entstanden.
Auf dem Weg zu einer solchen Kirche begegneten wir diesen Paddlern, die auf
Papyrusbooten Güter ans Festland schafften.





Immer so viele Blogs auf einmal. Da weiß man garnicht was man am beeindruckensten finden soll...
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