Das Fahrzeug

Freitag, 13. April 2012

Lebensader Nil

Wir ließen Addis Abeba hinter uns. Über ein Hochplateau fuhren wir weiter nach Norden. Doch schon nach kurzer Zeit konnten wir in tiefe Canyons hinunterschauen. Der Blaue Nil oder wie er hier genannt wird, der Abay kündigte sich an. Auf dem Foto unten sieht man das Tal eines seiner Nebenflüsse.
Weit oben auf einem Absatz in dem Steilhang dieses Canyons findet man das Kloster Debre Libanos, Jahrhunderte lang der heiligste Ort der äthiopisch-orthodoxen Kirche. Der Missionar Tekle Haymanot, der vor rd. 1.400 Jahren Äthiopien christianisierte, hat hier das erste Kloster gegründet. Die aktuelle eher nüchterne Kirche entstand in den 1950er Jahren. Uns beeindruckte die Inbrunst, mit der die orthodoxen Christen hier ihren Glauben leben. Überall fanden Gottesdienste und Bibel-Lesungen statt, denn wir waren genau in der Vorosterwoche und damit in der Fastenzeit hier.
Ca. 100 km weiter im Norden fuhren wir über enge Serpentinen von 2.500 m auf 1.000 m hinab zur neuen Nilbrücke. Der Blaue Nil fließt aus dem Tanasee nach Osten und dann in einem riesigen Bogen nach Süden und Westen, bevor er sich Richtung Sudan und Ägypten nach Norden wendet. Wir überquerten den Fluss an der Stelle, an der er zum ersten Mal Richtung Westen schenkt. Von nun an wird der Nil uns bis zum Ende unserer Reise begleiten.
Bahir Dar liegt am Tanasee und ist eine kleine adrette Stadt, wenn man äthiopische Verhältnisse zugrunde legt. Was das heißt, soll das nachfolgende Bild verdeutlichen, das wir morgens vom Balkon unseres Hotelzimmers machten. Es ist seltsam, aber irgendwie gewöhnt man sich an den Staub, die unglaublichen Abgase, den Rauch der vielen Feuer, die zum Kochen in jeder Hütte entfacht werden, und den herumliegenden Abfall samt damit einhergehendem Gestank.
Der Tanasee ist der drittgrößte See Afrikas und hat eine Fläche von 3.500 qkm, er ist also ein kleines Binnenmeer. Berühmt ist der See wegen seiner zahlreichen Inseln, auf denen alte Kirchen und Klöster zu finden sind. Die ständige Bedrohung durch Andersgläubige – insbesondere natürlich die Moslems, aber auch die Juden und in späteren Jahrhunderten die Katholiken –, die das orthodoxe Christentum ausmerzen wollten, hat dazu geführt, dass die Kirchen und Glaubenszentren an solchen schwer zugänglichen Stellen entstanden. Auf dem Weg zu einer solchen Kirche begegneten wir diesen Paddlern, die auf Papyrusbooten Güter ans Festland schafften.

1 Kommentar:

  1. Immer so viele Blogs auf einmal. Da weiß man garnicht was man am beeindruckensten finden soll...

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